Alte Kirchengeschichte und Patrologie

Historische Theologie schärft den Blick dafür, dass die Kirche eine durch und durch geschichtliche Größe ist. Ihre Gestalt hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert, und auch die Art und Weise, wie Christinnen und Christen gelebt und geglaubt haben, war stets zeitbedingt. Historische Theologie geht auf die Suche nach den Spuren, die Menschen bei ihrer Suche nach Gott, ihrer Auseinandersetzung mit ihm und ihrem Glauben an ihn im Laufe der Geschichte hinterlassen haben. Somit leistet die Historische Theologie eine wichtige Erinnerungsarbeit, denn in den Spuren werden die Zeugen christlichen Glaubens lebendig. Dabei hat sie die wichtige Aufgabe, die Spuren kritisch zu betrachten: Welche Spuren gehören zur Identität des Christentums und welche verdecken sie eher? Die Erinnerung vollzieht sich auch im Blick auf die Gegenwart und Zukunft des Christentums, indem die Beschäftigung mit der Geschichte der Kirche deutlich macht, was wieder lohnenswert zur Geltung gebracht werden sollte.

Kirchengeschichte ist für mich mehr als ein Faktenfriedhof. Die Beschäftigung mit den Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte ermöglicht lebendige und spannende Begegnungen. Mich fasziniert mitzuerleben, wie das Christentum als Religion entsteht, wie es sich findet und entwickelt: experimentell und kreativ, vielfältig und bunt, auf der Höhe der Zeit und in produktiver Auseinandersetzung mit dem kulturellen und religiösen Umfeld. Nicht alles kann ich nachvollziehen, manches bleibt mir fremd und unverständlich. Bleibend sind viele Inspirationen, die mir auch für die Kirche und die Menschen von heute lebensrelevant und bedeutsam erscheinen. Insofern gleicht die Geschichte der Kirche einer Schatzkammer, die manche Entdeckung bereithält.