Dies Academicus

Die Idee

Jedes Jahr wird im Dezember an der PTH der Dies Academicus begannen. Einen ganzen Tag widmen sich verschiedene Wissenschaftler der PTH, aber auch eingeladene Experten von außerhalb, der Theologie der Spiritualität unter verschiedenen Vorzeichen. Seit 2015 findet im Anschluss an den Dies Academicus auch der Actus Academicus statt, bei dem die PTH im formellem Rahmen ihre Absolventen ehrt, neue Professoren einführt und Ehrungen vornimmt.

Dies academicus 2017

Der diesjährige Dies Academicus fand am 8. Dezember 2017 statt und widmete sich dem Thema „Kunst und Spiritualität“.

Im ersten Vortrag „Filmästhetik und Spiritualität“ wandte sich Prof. Dr. Reinhold Zwick von der WWU Münster der Frage zu, wie im Spielfilm über filmästhetische Ansätze die Dimension des Spirituellen erreicht und damit möglicherweise auch das Kino – als der bevorzugte Rezeptionsort für ein konzentriertes Wahrnehmen – zu einem Raum religiöser Erfahrung werden kann. Dazu wurden verschiedene Zugangswege vorgestellt und vergleichend diskutiert: von Formen des kontemplativen Films über Versuche einer Evokation des Erhabenen bis hin zum Setzen darauf, dass sich allein über einen spezifisch gestimmten Blick auf das Alltägliche ein Mehr an Wirklichkeit entbergen lässt.

Anschließend eröffnete Prof. Dr. Claudia Gärtner von der TU Dortmund unter dem Titel „Zeitgenössische Kunst als Quelle von (christlicher) Spiritualität?“ ästhetische und empirische Zugänge zum Tagesthema. Bildern wird spätestens seit Gregor dem Großen eine spirituelle Funktion zugewiesen. Doch inwiefern gilt dies auch für zeitgenössische Kunst mit ihrem Autonomieanspruch?, so fragte sie. Anhand von ausgewählten Kunstwerken und empirischen Erkundungen zu Kunst im Kirchenraum wurde in dem Vortrag das Potenzial von zeitgenössischer Kunst für (christliche) Spiritualität diskutiert.

Nach der Mittagspause referierte Dr. Johannes Rauchenberger, Universität Graz, zum Thema: „Das ‚Alte‘ kreativ weiterdenken: Zur Bildtheologie von Alex Stock“. Ist die von Alex Stock geförderte „Bildtheologie“ schon richtig verstanden, wenn sie als Reaktion auf den Bildersturm der Sechsigerjahre einordnet?, so fragte er. Müssen die Vertreter des solo verbo mit der Kunst fremdeln, wenn Jesus Christus „das Bild des unsichtbaren Gottes“ ist? Wenn die Kunst einst verhindert hat, dass die akademische Theologie zum Museum Gottes wurde; wurde er dann am Ende nicht doch – zusammen mit ihr – in die Museen verbannt? Kann Kunst heute helfen, die Theologie aufleben zu lassen?

Den Abschluss des Dies academicus setzte Prof. Dr. Josef Meyer zu Schlochtern von der Theologischen Fakultät Paderborn mit seinem Vortrag: „Und lass mich sehn Dein Bilde… Impulse zur Christusfrömmigkeit in der Gegenwartskunst?“ Die geistliche Betrachtung von Christusbildern hat die Frömmigkeit in der Vergangenheit stark geprägt. In den letzten Generationen ist diese Frömmigkeitspraxis zurückgegangen, manche Christusbilder sind zur Belanglosigkeit abgeflacht. Der Vortrag befragte einige Christusbilder der Gegenwart auf ihren geistlichen Gehalt.

Der Tag schloss mit dem Actus academicus. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Jan-Heiner Tück, Universität Wien: „Verborgene Gegenwart. Der Hymnus Adoro te devote: Zur poetischen Verdichtung der Eucharistietheologie bei Thomas von Aquin“. Gabe, Gegenwart und Wandlung sind zentrale Begriffe des eucharistietheologischen Denkens. Thomas von Aquin hat nicht nur Reflexionen zur Realpräsenz Christi in der Eucharistie und zur Transsubstantiation der Gaben von Brot und Wein vorgelegt, sondern auch Hymnen geschrieben, in denen er das Wesentliche poetisch verdichtet hat. Der wohl schönste ist der Hymnus Adoro te devote, den Prof. Tück in seinem Vortrag deutete und auf seine theologische Gegenwartsrelevanz hin befragte.


Publikationen

Zu jedem Dies Academicus erscheint im jährlichen Turnus ein Sammelband, in dem die Referenten ihre Vorträge zum Thema veröffentlichen. Der Band wird ergänzt durch Beiträge der Lehrenden der PTH, die sich aus ihrer jeweiligen Fachperspektive mit der Thematik beschäftigen. Somit schärft die Publikation auch das Profil der PTH mit ihrem Schwerpunkt der Theologie der Spiritualität

Zeugnis

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Zeugnis.
Zum spirituellen Ursprung und zur Präsenz des Christlichen
Aschendorff-Verlag, Münster 2018

Was und woraufhin glauben wir? Gott erscheint mir zuerst als ein Wesen, an das andere Menschen mehr oder weniger glauben. Gott ist gegeben im Zeugnis der anderen, gewissermaßen innerhalb der Anführungszeichen ihrer Rede von Gott und ihres Verhaltens zu Gott. Die Gestalt ihres Glaubens ist mitentscheidend dafür, wie mir „Gott“ begegnet. Fällt das Zeugnis gänzlich aus, wird es schwierig. „Zeugen“ können mir Gott aber auch verstellen. Das Zeugnis bedarf der Deutung und des klärenden Begriffs, auch des Glaubwürdigkeitsnachweises, sonst verliert es sich in Beliebigkeit, Fanatismus oder Tyrannei. Wie weit muss, wie weit kann die (theologische) „Aufklärung“ des Zeugnisses und der Verkündigung gehen? Wo muss das verkündete Zeugnis stören und verstören in den Geläufigkeiten des Denkens? Wann ist es nicht nur Gegenstand, sondern Widerstand, der zu einem neuen Denken anregt? Wie heute Gott und den Glauben an das Evangelium glaubwürdig bezeugen? Noch weitgehender gefragt: Wie bezeugt sich der Herr „Heute“ selbst? Ist seine Gegenwart spiritueller Ursprung des Christlichen?


 

Spiritualität und Evangelisation

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Spiritualität.
Auf der Suche nach ihrem Ort in der Theologie
Aschendorff-Verlag, Münster 2017

Ein Zauberwort besonderer Art ist das Wort „Spiritualität“. Damit ist mehr als nur ein Randphänomen berührt. Das Heute könnte möglicherweise als „spirituelles Zeitalter“ in die Geschichte eingehen. Ende der 1970er Jahre noch ein avantgardistischer Szenebegriff alternativer Kreise, ist „Spiritualität“ heute ein soziokultureller Leitbegriff. In ihm bündeln sich Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in Bezug auf das Verständnis von Sinn, Werten und Religion. Traditionsgebundene Gotteserfahrungen können mit diesem Wort benannt werden und weniger traditionelle Erfahrungsweisen Gottes bis zu rein säkularen Praxisformen im Raum zeitgenössischer Experimentier- und Suchbewegungen, die „Sinn“ authentisch erfahrbar machen wollen. Spirituelle Sehnsucht kann, muss heute aber nicht heißen: religiöse Sehnsucht. Bei aller Ambivalenz der Phänomene: „Spiritualität“ ist eine Schlüsselkategorie für die Bedeutung von Religion und Sinn in der Spätmoderne.
In diesem Zusammenhang tauchen häufig andere Signalwörter auf: „Glück“, „Weisheit“, „authentisches Leben“ und „Ganzheitlichkeit“. Menschen sind auf der „Reise nach sich selbst“, suchen in einer mobilen, flexiblen, auf Effizienz getrimmten Gesellschaft nach „Verzauberung“ in Abenteuer und Erlebnis, sie verlangen nach „Heilung“, „Festigkeit“ und „Orientierungswissen“, nach „wirklicher Gemeinschaft“ und „Verbundenheit“. Ist das als „esoterisch“ zu belächeln? Ist es nur religionssoziologisch zu vermessen, zu analysieren und zu etikettieren? Verweigert die Theologie den substantiellen Dialog? Kennt sie den Reichtum der christlichen spirituellen Tradition, um ihn ins Spiel zu bringen? Hilft sie unterscheiden und stärken? Ist sie von ihrem ganzen Denkgestus noch genügend „spiritualitätssensibel“ bei ihrer Sache? Ein nicht geringer Grund für den oft beklagten Relevanzverlust der Theo-logie liegt hier.
Die PTH Münster in Trägerschaft der Deutschen Kapuzinerprovinz hat die „Theologie der Spiritualität“ zum theologischen Arbeitsschwerpunkt gemacht. Das ist nicht nur eine Fachbereichsbezeichnung, sondern die Herausforderung an alle Dozierenden, sich aus der Perspektive ihrer Disziplin dem Thema „Spiritualität“ zu stellen und grundsätzlich nach ihrem Ort in der Theologie zu suchen.
Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor, bereichert durch Beiträge, mit denen inspirierende Gäste beim Dies academicus der PTH am 8. Dezember 2015 die theologische Auseinandersetzung mit Spiritualität beflügelt haben.


 

Armut

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hgg.)
Armut
Zur Geschichte und Aktualität eines christlichen Ideals
Aschendorff Verlag Münster 2015, kartoniert., € 24,80, ISBN 978-3-402-13137-4

Im Jahr 2015 feierten die Kapuziner das Privileg, das ihnen vor 400 Jahren in Münster gewährt wurde:
Es wurde ihnen erlaubt, in der Stadt zu ‚betteln und zu predigen‘. Dies überhaupt zu wollen und die
Erlaubnis dazu ein ‚Privileg‘ zu nennen, erscheint auch heute nicht selbstverständlich. Daher wurde am 8. Dezember 2014 ein Symposium der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster im Vorlauf zum traditionellen Actus Academicus abgehalten, mit dem Titel „Betteln und Predigen. Wie arm soll die Kirche sein?“ Der Band dokumentiert die Vorträge des Symposiums sowie weitere Beiträge von Lehrenden der PTH.


Ansprechpartner

PD Dr. Thomas Möllenbeck

PD Dr. Thomas Möllenbeck

t.moellenbeck@gmx.de