Dies Academicus

Die Idee

Jedes Jahr wird im Dezember an der PTH der Dies Academicus begannen. Einen ganzen Tag widmen sich verschiedene Wissenschaftler der PTH, aber auch eingeladene Experten von außerhalb, der Theologie der Spiritualität unter verschiedenen Vorzeichen. Seit 2015 findet im Anschluss an den Dies Academicus auch der Actus Academicus statt, bei dem die PTH im formellem Rahmen ihre Absolventen ehrt, neue Professoren einführt und Ehrungen vornimmt.

Frieden. Spiritualität in verunsicherten Zeiten. – Dies academicus 2018

Der diesjährige Dies academicus der PTH finden am 7. Dezember 2018 im Kapuzinerkloster Münster statt. Er befasst sich mit den Themen Politik, Frieden sowie Spiritualität in unsicheren Zeiten.

Folgendes Tagungsprogramm ist vorgesehen:

9:00 Uhr

Prof. Dr. Georg Steins, Universität Osnabrück
„Seid vollkommen, seid auf das Ganze bedacht!“
Kreative Gewaltfreiheit in der Bergpredigt und im Jesajabuch

In der Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2017 forderte Papst Franziskus, aktive Gewaltfreiheit solle zum christlichen way of life werden.  Es geht nicht um Vernichtung, sondern um eine Verwandlung des Feindes; die Wege zu diesem anspruchvollen Ziel sind biblisch vorgespurt.

Dr. theol. Georg Steins ist Professor für Biblische Theologie/Exegese des Alten Testaments an der Universität Osnabrück. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören neben der Exegese Themen der biblischen Theologie (Wunder, Schöpfung) und der Bibelpastoral. Er hat das Konzept einer „kanonisch-intertextuellen Bibellektüre“ entwickelt.

 

11:00 Uhr

Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven, Institut für Theologie und Frieden Hamburg
Kein Friede im globalen Dorf.
Friedensethik angesichts offener Kriege und verdeckter Gewalt

Ausgehend von aktuellen Konflikten und Krisenherden (Ukraine, Mali, Syrien) analysiert der Vortrag die ethischen Grundprobleme internationaler (Sicherheits-)Politik. Gibt es angesichts verbreiteter Rückkehr von Gewalt in inner- wie zwischenstaatlichen Konflikten Perspektiven auf strukturelle Überwindung? Wie müsste eine ethisch fundierte Politik gestaltet werden?

Dr. theol. Heinz-Gerhard Justenhoven studierte Katholische Theologie und promovierte 1990 an der Phil. Theol. Hochschule St. Georgen. Die Habilitation an der Theol. Fakultät der Universität Freiburg erfolgte 2006. Er ist apl. Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Freiburg und seit 1995 Direktor des Institut für Theologie und Frieden.

 

15:00 Uhr

Dr. Dieter Funke, Theologe und Psychotherapeut Düsseldorf
Innere Versöhnung.
Psychoanalytische Voraussetzungen zu einer friedvollen Haltung

Seelische Wunden entstehen auf vielfältige Weise: Mangelnde Resonanz, missbräuchliche Beziehungen, emotionale und körperliche Gewalt, fehlende Anerkennung führen zu inneren Verletzungen. Werden diese nicht durch innere Trauerarbeit und Versöhnung geheilt, drohen sie in Hass und Gewalt umzuschlagen. Im Vortrag wird der Weg der Versöhnung mit den inneren Verletzungen geschildert und dabei abgegrenzt von Verzeihung, Vergebung und Entschuldigung.

Dr. theol. Dieter Funke ist Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker, niedergelassen als Einzel-, Paar- und Gruppentherapeut in eigener Praxis. Langjährige Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen zu religionspsychologischen und kulturanalytischen Themen.

 

17:00 Uhr

PD Dr. Alexander Linke, Gemeinschaft Sant’Egidio
Für den Frieden leben …
Das friedenspolitische und -spirituelle Engagement der Gemeinschaft Sant’Egidio

Beim historischen Weltgebetstag 1986 in Assisi sprach Johannes Paul II. an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine breite Einladung aus, sich für den Frieden zu engagieren: „Der Friede ist eine Werkstatt, die allen offensteht, nicht nur Fachleuten, Gebildeten und Strategen“. In den vergangenen 32 Jahren hat sich die Welt sehr verändert. Doch nicht weniger als damals wird eine globale Friedensbewegung benötigt, die das Konzept des Feindes ablehnt und die Gewalt durch Dialog und Solidarität zu überwinden vermag. Wie können Gebet, das Hören auf das Wort Gottes und die Freundschaft zu den Armen konkret dazu beitragen, eine solche Friedensbewegung aufzubauen und zu stärken?

 

19:30 Uhr

Den öffentlichen Abendvortrag beim Artus Academicus hält Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Universität Freiburg zum Thema:
Der Friede Gottes und der Friede der Welt.
Zur Spiritualität politischer Friedensarbeit

Der Einsatz für den Frieden braucht einerseits eine zündende Idee, die Vorstellung einer Versöhnung von Frieden und Gerechtigkeit, andererseits aber langen Atem und die Fähigkeit, Rückschläge und Enttäuschungen zu ertragen. Die Unterscheidung zwischen dem Frieden Gottes und dem Frieden der Welt, zwischen einer Gabe, die nur erbeten werden kann und der Aufgabe täglicher Realisierung des Friedens versucht, beiden Erfordernissen gerecht zu werden. Gerade weil die Vorstellung eines immerwährenden ewigen Friedens utopisch bleibt, kann sie den Menschen auch entlasten und ihm den Blick für das jetzt Mögliche öffnen.

Dr. theol. Eberhard Schockenhoff, Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg und seit 2016 Präsident des Katholischen Akademischen Ausländerdienstes (KAAD).

 


Publikationen

Zu jedem Dies Academicus erscheint im jährlichen Turnus ein Sammelband, in dem die Referenten ihre Vorträge zum Thema veröffentlichen. Der Band wird ergänzt durch Beiträge der Lehrenden der PTH, die sich aus ihrer jeweiligen Fachperspektive mit der Thematik beschäftigen. Somit schärft die Publikation auch das Profil der PTH mit ihrem Schwerpunkt der Theologie der Spiritualität

Zeugnis

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Zeugnis.
Zum spirituellen Ursprung und zur Präsenz des Christlichen
Aschendorff-Verlag, Münster 2018

Was und woraufhin glauben wir? Gott erscheint mir zuerst als ein Wesen, an das andere Menschen mehr oder weniger glauben. Gott ist gegeben im Zeugnis der anderen, gewissermaßen innerhalb der Anführungszeichen ihrer Rede von Gott und ihres Verhaltens zu Gott. Die Gestalt ihres Glaubens ist mitentscheidend dafür, wie mir „Gott“ begegnet. Fällt das Zeugnis gänzlich aus, wird es schwierig. „Zeugen“ können mir Gott aber auch verstellen. Das Zeugnis bedarf der Deutung und des klärenden Begriffs, auch des Glaubwürdigkeitsnachweises, sonst verliert es sich in Beliebigkeit, Fanatismus oder Tyrannei. Wie weit muss, wie weit kann die (theologische) „Aufklärung“ des Zeugnisses und der Verkündigung gehen? Wo muss das verkündete Zeugnis stören und verstören in den Geläufigkeiten des Denkens? Wann ist es nicht nur Gegenstand, sondern Widerstand, der zu einem neuen Denken anregt? Wie heute Gott und den Glauben an das Evangelium glaubwürdig bezeugen? Noch weitgehender gefragt: Wie bezeugt sich der Herr „Heute“ selbst? Ist seine Gegenwart spiritueller Ursprung des Christlichen?


 

Spiritualität und Evangelisation

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Spiritualität.
Auf der Suche nach ihrem Ort in der Theologie
Aschendorff-Verlag, Münster 2017

Ein Zauberwort besonderer Art ist das Wort „Spiritualität“. Damit ist mehr als nur ein Randphänomen berührt. Das Heute könnte möglicherweise als „spirituelles Zeitalter“ in die Geschichte eingehen. Ende der 1970er Jahre noch ein avantgardistischer Szenebegriff alternativer Kreise, ist „Spiritualität“ heute ein soziokultureller Leitbegriff. In ihm bündeln sich Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in Bezug auf das Verständnis von Sinn, Werten und Religion. Traditionsgebundene Gotteserfahrungen können mit diesem Wort benannt werden und weniger traditionelle Erfahrungsweisen Gottes bis zu rein säkularen Praxisformen im Raum zeitgenössischer Experimentier- und Suchbewegungen, die „Sinn“ authentisch erfahrbar machen wollen. Spirituelle Sehnsucht kann, muss heute aber nicht heißen: religiöse Sehnsucht. Bei aller Ambivalenz der Phänomene: „Spiritualität“ ist eine Schlüsselkategorie für die Bedeutung von Religion und Sinn in der Spätmoderne.
In diesem Zusammenhang tauchen häufig andere Signalwörter auf: „Glück“, „Weisheit“, „authentisches Leben“ und „Ganzheitlichkeit“. Menschen sind auf der „Reise nach sich selbst“, suchen in einer mobilen, flexiblen, auf Effizienz getrimmten Gesellschaft nach „Verzauberung“ in Abenteuer und Erlebnis, sie verlangen nach „Heilung“, „Festigkeit“ und „Orientierungswissen“, nach „wirklicher Gemeinschaft“ und „Verbundenheit“. Ist das als „esoterisch“ zu belächeln? Ist es nur religionssoziologisch zu vermessen, zu analysieren und zu etikettieren? Verweigert die Theologie den substantiellen Dialog? Kennt sie den Reichtum der christlichen spirituellen Tradition, um ihn ins Spiel zu bringen? Hilft sie unterscheiden und stärken? Ist sie von ihrem ganzen Denkgestus noch genügend „spiritualitätssensibel“ bei ihrer Sache? Ein nicht geringer Grund für den oft beklagten Relevanzverlust der Theo-logie liegt hier.
Die PTH Münster in Trägerschaft der Deutschen Kapuzinerprovinz hat die „Theologie der Spiritualität“ zum theologischen Arbeitsschwerpunkt gemacht. Das ist nicht nur eine Fachbereichsbezeichnung, sondern die Herausforderung an alle Dozierenden, sich aus der Perspektive ihrer Disziplin dem Thema „Spiritualität“ zu stellen und grundsätzlich nach ihrem Ort in der Theologie zu suchen.
Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor, bereichert durch Beiträge, mit denen inspirierende Gäste beim Dies academicus der PTH am 8. Dezember 2015 die theologische Auseinandersetzung mit Spiritualität beflügelt haben.


 

Armut

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hgg.)
Armut
Zur Geschichte und Aktualität eines christlichen Ideals
Aschendorff Verlag Münster 2015, kartoniert., € 24,80, ISBN 978-3-402-13137-4

Im Jahr 2015 feierten die Kapuziner das Privileg, das ihnen vor 400 Jahren in Münster gewährt wurde:
Es wurde ihnen erlaubt, in der Stadt zu ‚betteln und zu predigen‘. Dies überhaupt zu wollen und die
Erlaubnis dazu ein ‚Privileg‘ zu nennen, erscheint auch heute nicht selbstverständlich. Daher wurde am 8. Dezember 2014 ein Symposium der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster im Vorlauf zum traditionellen Actus Academicus abgehalten, mit dem Titel „Betteln und Predigen. Wie arm soll die Kirche sein?“ Der Band dokumentiert die Vorträge des Symposiums sowie weitere Beiträge von Lehrenden der PTH.


Ansprechpartner

PD Dr. Thomas Möllenbeck

PD Dr. Thomas Möllenbeck

t.moellenbeck@gmx.de