Exegese Neues Testament

Das Fach: Neues Testament

Exegese des Neuen Testaments als Teil der Bibelwissenschaft ist ein Gebiet, das vielfältige Ansätze in sich vereint. Wurde die Exegese in der katholischen Kirche Jahrhunderte lang als eine Disziplin verstanden, die der dogmatischen Theologie dienstbar zu sein hatte, so wurde sie ab dem 18. Jahrhundert durch die protestantische kritische Forschung zu einem eigenständigen theologischen Kernfach, in dem eine Vielzahl von Fragestellungen und Methoden zum Zuge kommt.

Vereinfacht gesagt sind es die literarische, die historische und die theologische Dimension des Phänomens Bibel, die von der Exegese in Blick genommen werden. Dabei ist das Spektrum der Ansätze in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verfeinert worden. Literaturwissenschaftlich hielten verschiedene Methoden der Linguistik Einzug in die Exegese, die nach einem differenzierten Zugang zur synchronen Struktur des Textes suchen. Unter historischer Perspektive richtete sich das Augenmerk jenseits des klassischen diachronen Ansatzes (Frage nach Tradition und Redaktion) auf religionsgeschichtliche (z. B. Qumrantexte) oder sozialgeschichtliche Aspekte (z. B. Rolle der Frau in der Bibel). Theologisch gilt seit einigen Jahren dem hermeneutischen Rang, der dem biblischen Kanon zukommt, besondere Aufmerksamkeit („canonical approach“).

All diese Aspekte sollten in der Exegese des Neuen Testaments wenigstens ansatzweise Berücksichtigung finden. Das Entscheidende reicht jedoch tiefer. Was mich an der Heiligen Schrift fasziniert und existenziell an sie bindet, ist ihre tragende Rolle als „Wort des Lebens“ (Phil 2,16; 1 Joh 1,1), als erste Quelle für Theologie und Glaube. Glaube kommt vom Hören (Röm 10,17), vom Hören auf die Schrift als das Wort Gottes. An der PTH Münster mit ihrem Schwerpunkt Theologie der Spiritualität findet dieser ganzheitliche, wissenschaftliche und zugleich spirituelle Zugang zur Bibel auf geradezu ideale Weise einen Entfaltungsort.