Franziskanische Spiritualität

Franziskanische Spiritualität

Was ist das?

Was ist das eigentlich?

Spiritualität – franziskanisch

Spiritualität ist gefragt! In Buchhandlungen quellen die entsprechenden Regale über. Inspirierte geben Tiefen-Erfahrungen weiter, bieten eine innere Wandlung durch geistige und körperliche Techniken an, handeln von Kraftorten oder weisen Wege intensiveren Lebens. Oft ist dabei eine persönliche Religiosität im Blick, die ohne verbindliche Lehre, Institution und Tradition auskommt. Christliche Spiritualität entfaltert sich in verschiedenen Formen der Jesusnachfolge. Sie hat daher immer eine individuelle und eine gemeinschaftliche Dimension, in der sich Gottes- und Weltliebe, Selbst- und Nächstenliebe untrennbar verbinden.
Franziskanische Spiritualität wurzelt personal zunächst in Erfahrungen, Inspiration und Erkenntnissen des Franz von Assisi. Um ihn sammelte sich eine Bewegung, in der Brüder und Schwestern sowohl ehelose wie familiäre Lebensformen ausbilden. Dadurch bekam franziskanische Spiritualität schon zu Lebzeiten des Franziskus vielfältige Spielarten und Farben. Die drei ersten großen Leitgestalten dieser Bewegung sind Franz von Assisi als Bruder, Klara von Assisi als Ordensgründerin der Schwester sowie die Landgräfin Elisabeth von Thüringen als Familienfrau und „Schwester in der Welt“.
Franziskanische Spiritualität zeichnet sich durch die Verbindung von „Tiefe und Weite“ aus.

Sie ermutigt und inspiriert zu:

  • einem geerdeten Leben – als Geschöpf in einer schönen und gefährdeten Mitwelt, die sich im Innersten als universale Familie erweist. Die Erde ist allen Geschöpfen gemeinsamer Lebensraum, den alle Pflanzen, Tiere und Menschen miteinander vernetzt teilen. Franziskanische Menschen sind daher ökosensibel und ökopraktisch.
  • einem Leben eingebunden in die menschliche Gesellschaft – die sich nach komfortabler Freiheit sehnt und diese oft unsolidarisch auf Kosten Schwächerer, Fremder und Achtsamer ausweitet. Die Überzeugung, dass nur sensibles Zusammenspiel aller zum Frieden führt, lässt franziskanische Menschen sozial und politisch wach handeln.
  • einem Leben auf der Spur eines Gottes, der über die Grenzen der Kulturen und Religionen hinweg jeden Menschen berührt. Offen für interreligiöses Teilen und Lernen, erfahren franziskanische Menschen das göttliche Geheimnis väterlich-mütterlich über der Welt, folgen Jesus Christus als Bruder und Meister in der Welt und vertrauen auf den Heiligen Geist als weibliche Kraft Gottes in jedem Menschen.

Und das Institutionelle? Franziskus begeistert bis heute über das Christentum hinaus und ist selbst dem aktuellen Papst zur Leitgestalt in der Leitung der katholischen Kirche geworden. Seit 1986 treffen sich alle bedeutenden Kirchen, Welt- und Naturreligionen in Assisi, wo sie der „Spirit“ von Bruder Franz zusammenführt. Die Bewegung, die er auslöste, umfasste Menschen aller Stände, Berufe und Lebensweisen: innerhalb und bald auch am Rand oder ausserhalb der institutionellen Kirche. Der Poverello hat diese ebenso bejaht wie er in ihr einen ganz neuen Weg wagte. Seine Kunst, den inneren Reichtum aus Tradition und grösserer Gemeinschaft auszuschöpfen, erlaubt kirchlich wie sozial und politisch innovativ zu sein. Dabei entfaltet sich eine geschwisterliche Freiheit, deren Solidarität niemanden ausschliesst.

Br. Dr. Niklaus Kuster


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Br. Dr. Niklaus Kuster

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