Kirchenrecht

Kirchenrecht

Überall, wo Menschen in einer Gemeinschaft leben, gibt es eine Rechtsordnung, die das Mindestmaß an Miteinander festlegt, damit die Gemeinschaft bestehen und funktionieren kann. Beim Kirchenrecht kommt hinzu, dass es dem Glaubensgut verpflichtet ist und grundlegende theologische Daten rechtlich schützen muss. Zwischen Theologie und (Kirchen)Recht besteht eine Wechselwirkung dergestalt, dass die Theologie durch das Recht spezifiziert und das Recht durch die Theologie modifiziert wird, d.h. der kirchenrechtlich auszugestaltende Inhalt wird nicht aus dem Willen der Mehrheit hergeleitet, sondern aus der Offenbarung. Ziel des Kirchenrechts ist nicht nur das innerweltliche, sondern auch das geistliche Wohl der Menschen.

Die Kanonistik ist ein theologische Disziplin, die gemäß den Bedingungen ihrer theologischen Erkenntnisse mit juristischer Methode arbeitet, und zwar unter drei Gesichtspunkten: Rechtsgeschichte, Rechtssystematik und Rechtsphilosophie.

In der praktischen Anwendung kann das Kirchenrecht in einer Kirche der Liebe und Barmherzigkeit der Erdung dienen. Nicht das Recht an sich steht im Widerspruch zu Liebe und Barmherzigkeit, sondern die Art und Weise, mit ihm umzugehen, kann in Widerspruch zu Liebe und Barmherzigkeit geraten. Dies kann nur vermieden werden, wenn Recht der Liebe und Barmherzigkeit dienen. Thomas von Aquin: Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung aller Dinge.