Moraltheologie

Moraltheologie

Eines vorweg: Moraltheologie, wie auch immer man sie (und auch ich) verstehen mag, hat mit dem Leben zu tun, dem prallen Leben. Genauer gesagt kommt sie dort ins Spiel, wo im eigenen Leben, das sich als christliches versteht, Fragen aufeinanderprallen, die das Sollen betreffen: Was soll ich tun? Warum soll ich das tun? Und überhaupt: Wozu dieser Sollens- und Verpflichtungsquatsch? Was steckt eigentlich hinter der Sprache der Moral?

Klar, diesen Fragen haben sich die normative Ethik und die Metaethik aus philosophischer Sicht bereits seit der Antike gestellt, warum also nicht auch die Christen? Die haben zunächst – quasi als Traningscamp für die Beichtväter – im 17. Jahrhundert die Moraltheologie entwickelt, welche in jüngster Zeit eher verdutzt in die leeren Beichtstühle schaut und sich nun offen die Sinnfrage stellt: Wenn sich das Sollen allein aus der Vernunft heraus begründet, was sollen wir da noch? Bleibt uns Moraltheologen noch was Eigenes, wenn wir über die berühmten Sollensfragen (s.o.) in den verschiedenen Erfahrungsbereichen unseres Lebens nachdenken? Die Antwort auf diese Frage nach dem Proprium christlicher Ethik (und dem Selbstverständnis der Moraltheologie) lässt sich sehr vereinfacht in drei Stichworten zusammenfassen: Spiritualität, Motivation und Tradition. Alle drei haben miteinander zu tun, sind quasi vernetzt. Die Rede vom menschgewordenen Gott, der uns aufruft, neue Wege zu gehen (Spiritualität), sie muss doch Konsequenzen haben, oder? Sie schenkt uns Kraft durch die Wegbegleitung Christi (Motivation) und lässt uns schöpfen aus dem Kraftbrunnen derjenigen, die vor uns schon diesen Weg zu gehen versucht haben (Tradition). All das entpflichtet uns nicht vom eigenen Nachdenken, beflügelt und prägt es aber.

Und genau dies macht mir Freude, mich mit anderen zusammen auf diesen Weg zu begeben, aus den Quellen zu schöpfen, die bei uns reichlich fließen und sie fruchtbar zu machen für ein neues Nachdenken über die Fragen des Sollens. Da geht es mir – man muss ja auch seine Steckenpferde haben – um die Ethik vom Haus (Oikonomik), die Papst Franziskus in Laudato Si anklingen lässt (bitte mal den Untertitel lesen!).