Religionswissenschaft

Religionswissenschaft

Asiatische Religionen (Eckard Wolz-Gottwald)

Religionswissenschaft wird an der PTH Münster von Dozenten gelehrt, die sich als Spezialisten für die jeweilig von ihnen vertretene Religion erwiesen haben. In religionswissenschaftlichen Vorlesungen und Seminaren stehen die Geschichte, die heiligen Schriften und die zentralen Lehren der nicht-christlichen Religionen im Mittelpunkt. Es gilt die Wahrheitsansprüche der verschiedenen Religionen aus christlicher Perspektive adäquat einzuordnen. So wird die Voraussetzung dafür geschaffen, die Inhalte christlichen Glaubens in einem lebendigen interreligiösen Dialog zu vertreten. Den Schwerpunkt der Lehre von Eckard Wolz-Gottwald bilden die spirituellen Wege der asiatischen Religionen, insbesondere die Bedeutung der Mystik für den gegenwärtigen Dialog der Religionen. Wolz-Gottwald lebt diesen Dialog in der Praxis und auch in der theoretischen Reflexion. Von ihm wurde Grundlagenwerke im Bereich der Philosophie des Yoga und der Mystik der Weltreligionen verfasst.

 

Islamwissenschaften (Dennis Halft OP & Markus Kneer)

Als Lehrbeauftragter für Islamwissenschaft biete ich im Rahmen des Lizenziatsstudiengangs „Theologie der Spiritualität“ eine Einführung in die islamische Mystik, den Sufismus, an. In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Glaube der Muslime häufig mit extremistischen Tendenzen in Verbindung gebracht. Als Religionswissenschaftler widme ich mich hingegen der Diversität muslimischen Denkens, sowohl innerhalb des Islam als auch in seiner Auseinandersetzung mit Christentum und Judentum. Mein Forschungsinteresse gilt besonders der Vielfalt religiöser Perspektiven, dem interreligiösen Austausch und den transkulturellen Dynamiken in Geschichte und Gegenwart. Ich bin davon überzeugt, dass eine zeitgemäße theologische Ausbildung im ökumenischen und interreligiösen Kontext stattfinden muss, um der kulturellen und religiösen Vielfalt in Kirche, Schule und Gesellschaft Rechnung zu tragen.

Die Lehrveranstaltung „Islam“ ist dem Fach „Religionswissenschaft“ in der Sektion „Systematische Theologie“ zugeordnet. Die verwendete Methodik greift den daraus entstehenden Dreiklang auf: Die muslimische Innenperspektive („Islamische Theologie“), die religionswissenschaftliche Außenperspektive („Islamwissenschaft“) und die katholisch-religionstheologische Dialogperspektive („Fundamentaltheologie“) auf die Religion des Islam werden vorgestellt und miteinander ins Gespräch gebracht. Dazu gehört normalerweise immer auch eine Arbeitseinheit, in der die Studierenden Muslimen (z. B. bei einem Moscheebesuch) begegnen und versuchen, in einen Dialog einzutreten. Inhaltlich werden dazu (1) die grundlegenden lehramtlichen Aussagen seitens der katholischen Kirche, (2) die Inhalte des muslimischen Glaubensbekenntnisses und die Grundzüge der religiösen Praxis, (3) der Aufbau von Koran und Sunna (Tradition des Propheten), (4) die geschichtliche Entwicklung des Islam und seine Diversität, (5) die Geschichte und Praxis der christlich-muslimischen Begegnung sowie (6) die Spiritualität der christlich-muslimischen Begegnung erarbeitet.

Neben der religionspolitischen Bedeutung, die dem Thema durch die immer stärkere Präsenz von Muslimen in unserer Gesellschaft zukommt, ist es gerade ihr Glaube an den einen Gott, der zur Begegnung auffordert und zugleich fragen lässt, was das Unterscheidend-Entscheidende des christlichen Zugangs ist. Die Entdeckung des authentischen Monotheismus bei Muslimen hat mich zur Wiederentdeckung der Zentralität Jesu Christi in meinem eigenen theologischen Denken geführt, weshalb diese Konfrontation für mich bis heute prägend ist.