Villaabende in der PTH

Villaabend

Seit 2015 findet im jedem Semester die Vortragsreihe der „Villa-Abende“ statt. In der PTH, in einer Gründerzeitvilla am Hohenzollernring, widmen sich im besonderen Ambiente renommierte Experten der „Theologie der Spiritualität“.

KONTEMPLATION MITTEN IM ALLTAG

„Einmal zu mir selbst und zurück“, so heißt das neueste Buch des Kapuzinerpaters Thomas Dienberg, Professor für Theologie der Spiritualität an der PTH und Direktor von IUNCTUS, dem Kompetenzzentrum für Christliche Spiritualität an der PTH. Sein Buch ist eine kleine Wahrnehmungsschulung für Menschen, die in einem anspruchsvollen, beruflichen Alltag stehen, für Menschen, die sich gestresst fühlen. Auf dem Villa-Abend am 14 Juni stellte er sein neues Buch vor.

Mit Kontemplation verbinden viele Menschen längere Übungswege, klare Methoden und einen Raum von Stille und Abgeschiedenheit. Es hat etwas Schweres, Geheimnisvolles an sich, etwas für Experten des geistlichen Lebens. Doch Kontemplation ist nicht nur etwas für Experten. Kontemplation hat es vor allem mit Wahrnehmung zu tun, und ist damit durchaus etwas Alltägliches, etwas für jeden Menschen.

Kontemplation lehrt den Respekt vor dem Leben und der Welt, vor der Schöpfung und jedem Menschen und vor dem lebendigen, dem gehörten und dem geschriebenen Wort. Wahre Kontemplation zeigt sich überall dort, wo der Mensch, das Leben und die Welt ernst genommen werden. Als das, was sie sind. Nicht wertend, sondern als Geschenk.

DIETRICH BONHOEFFER: „GEFANGEN UND FREI“

In einer Zeit, in der Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder stärker wird, müssen wir Zeichen setzen. Deswegen stellte Bernd Aretz, Historiker, Politikwissenschaftler, Theologe, Journalist und Autor aus Münster, im Rahmen eines Villa-Abends am 18. Mai das Leben des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer mit Bildern und Filmausschnitten vor.

Viele wissen von Bonhoeffers gewaltsamen Tod kurz vor dem Ende der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus im KZ Flossenbürg, viele haben schon einmal seinen berühmten Text von „Guten Mächten“ gesungen oder gelesen. Seine Radikalität einerseits, aber auch seine frohe Zuversicht andererseits beeindrucken noch heute. Bonhoeffers gläubige Haltung hat sich in seinen letzten Worten verdichtet: „Das ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“

DER BETENDE MENSCH – ODER: WARUM WIR GOTT NICHT SIEZEN

Am 26. April 2018 fand der erste Villa-Abend der PTH im Sommersemester 2018. Beten.
Jede Christin und jeder Christ weiß, was das ist und wie es geht. Wirklich?
Was tun wir eigentlich, wenn wir beten? Und warum tun wir es? An diesem Abend wurde nicht vorgebetet, sondern nach-gedacht über den existentiellen Vollzug des Gebetes in der Spannung zwischen bewusstem Akt und sich ereignendem Ereignis, zwischen Sprechen und Schweigen, Geist und Leib.
Der Kapuziner Br. Dr. Stefan Walser, Lehrbeauftragter für Fundamentaltheologie an der PTH, wagte eine religionsphilosophische und theologische Annäherung an das Gebet auf den Schultern von einigen großen Vor-Denkern.

„VOM MEHRWERT DES SCHEITERNS“

So lautete der Titel des ersten Villa-Abends im Wintersemester 2017/18. Christian Olding, Dipl.-Theologe und Kaplan in Geldern, las aus seinem Buch „Klartext bitte! Glauben ohne Geschwätz“.

Es ging um eine Thomas-Episode, um Wunden, Verletzungen und Narben. Sie erzählen nämlich eine Geschichte. Diese Geschichten sind voller Schmerz, voller Zerbrochenheit.

Aber es gibt auch die Narben Jesu. Sie erzählen eine ganz andere Geschichte. Sie sprechen davon, dass Heilung möglich ist, dass es eine Zukunft gibt. Jesus ermöglicht dem zweifelnden Thomas dieses Vertrauen, indem er ihm seine wunden Stellen anbietet.

MARC CHAGALL UND DIE BIBEL
ERSTER VILLA-ABEND IM WS 2017/18 AN DER PTH

Dr. Jutta Desel, Kunsthistorikerin und Ehefrau des an der PTH lehrenden Rabbiners Efraim Yehoud-Desel, hielt am 16.11.2017 einen spannenden Vortrag zu den Kreuzigungsdarstellungen von Marc Chagall. Ausgehend von der „Weißen Kreuzigung“, die Chagall 1938 unter dem Eindruck der Reichspogromnacht gemalt hat, führte die stellvertretende Leiterin des Museums Abtei Liesborn in eingehenden Bildbetrachtungen tiefer ein in die erstaunliche Tatsache, dass sich ein jüdischer Künstler häufig des zentralen christlichen Symbols des Kreuzes bedient hat. Dem interessierten Publikum bot Frau Dr. Desel auch eine eigene Forschungserkenntnis dar: Die Selbstdarstellungen Chagalls als Esel könnten auf Gen 49,14f. zurückgehen. Dort wird der Stamm Issachar, auf den sich die Familie Chagalls wahrscheinlich zurückführte, als Esel beschrieben.

VILLA-ABEND ZU MISSIONARINNEN IN LATEINAMERIKA

Der Villa-Abend an der PTH am 6. Juli 2017 widmete sich Missionarinnen in Lateinamerika. Prof. Dr. Margit Eckholt, Professorin für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie an der Universität Osnabrück und Vorsitzende von ICALA – Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. und AGENDA-Forum katholischer Theologinnen e.V., ging in ihrem Vortrag mit anschließendem Gespräch auf den missionarischen Aufbruch deutscher, französischer und italienischer Frauenkongregationen nach Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert ein und stellte die Frage nach dem Verständnis von Mission – damals und heute.

VILLA-ABEND ZU DEN ERSCHEINUNGEN VON FATIMA

„Wer glaubt, die prophetische Mission Fatimas sei vorüber, der irrt“, sagte Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch 2010 in Fatima. Dort erschien 1917 die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern und offenbarte ihnen die Botschaft von Sühne, Opfer und Gebet. Seitdem sind 500 Millionen Menschen nach Fatima gepilgert, um an dem Ort, wo Himmel und Erde sich berührten, dem Wunder nachzuspüren und Hilfe und Ermutigung für das eigene Leben zu erfahren. 100 Jahre nach den Ereignissen von damals fragte Dr. Christian Stadtmüller, Vikar in der Dompfarrei in Würzburg, geistlicher Religionslehrer an der Maria-Ward-Schule und Diözesanleiter des Fatimaweltapostolates Würzburg, im Rahmen eines Villa-Abends am 22. Mai 2017 nach ihrer Wirkungsgeschichte und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Aktualität der Botschaft für heute.

ERSTER VILLA-ABEND IM SOMMERSEMESTER 2017 AN DER PTH

Unter dem Titel „Der Islam, die Moderne und der Knackpunkt der Freiheit – ein Dialog“ fand am 4. Mai 2017 der erste Villa-Abend im Sommersemester 2017 statt.
Die individuelle Freiheit wird gerne als ein zentrales Merkmal der Moderne und der westlichen „offenen“ Gesellschaften angeführt. Dieses Selbstbild westlicher Modernität dient häufig als Maßstab zur Beurteilung anderer Gesellschaften. Muslimisch geprägte Länder kommen dabei regelmäßig schlecht weg. Doch wenn wir näher hinschauen, dann sind die Freiheit, die Moderne und der Islam doch wesentlich differenzierter zu betrachten: Alle drei Begriffe haben ihre Licht- und Schattenseiten, die sich in ihren jeweiligen Konstellationen wiederspiegeln. Um dieser Vielschichtigkeit auf die Spur zu kommen traten der Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Rachid Boutayeb sowie Markus Kneer, Lehrbeauftragter für Islamwissenschaft an der PTH Münster, in den Dialog über das Buch ‚Freiheit oder Befreiung‘ (Klaus-Schwarz-Verlag) des Begründers der modernen marokkanischen Philosophie, Mohamed Aziz Lahbabi, ein. Letzterer plädiert in Auseinandersetzung mit der Moderne für einen anderen Zentralbegriff: den der Befreiung. Der Abend macht deutlich, dass Lahbabis Ansatz bis heute nichts an Aktualität verloren hat.